Mehrere Ferkel mit schwarzen Flecken auf einer Wiese

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Agrarpolitik 2030+: Tierwohl kommt zu kurz

Der Schweizer Tierschutz STS kritisiert die Stossrichtung der Agrarpolitik 2030+ (AP30+). Zwar will der Bundesrat die Schweizer Landwirtschaft nachhaltiger, effizienter und weniger bürokratisch gestalten. Aus Sicht des STS fehlen jedoch konkrete Verbesserungen für das Tierwohl. Die Vorlage bleibt deutlich hinter dem bestehenden Handlungsbedarf zurück.


Die AP30+ setzt auf Vereinfachung, Digitalisierung und mehr unternehmerischen Spielraum für die Landwirtschaftsbetriebe. Diese Ziele unterstützt der STS grundsätzlich. Aus Sicht des STS fehlt jedoch ein klarer Plan, wie sich das Tierwohl in der Nutztierhaltung verbessern soll. Tierwohl, Tiergesundheit und robuste Nutztiere erhalten in der Vorlage nicht das notwendige Gewicht.

«Effizienz ist nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn die Agrarpolitik hohe Leistung pro Tier mit Nachhaltigkeit verwechselt», sagt Philipp Ryf, Leiter Politik des Schweizer Tierschutz STS. «Die Agrarpolitik sollte Anreize dafür schaffen, dass Tiere gesund und robust sind und möglichst lange leben. Genau hier setzt die AP30+ aus unserer Sicht falsche Signale.»

Schweine und Geflügel bleiben weitgehend ausgeklammert

Besonders deutlich ist die Lücke bei Schweinen und Geflügel. Für Schweine, Legehennen und Mastgeflügel bleibt weitgehend offen, welche Fortschritte bei Haltung, Gesundheit oder Tierwohl erreicht werden sollen. Gerade bei diesen Tierarten besteht erheblicher Handlungsbedarf, weil besonders viele Tiere betroffen sind. Die Vorlage konzentriert ihre Tierwohlüberlegungen stark auf Wiederkäuer, Weidehaltung und graslandbasierte Systeme. Diese Ansätze sind wichtig, greifen für eine glaubwürdige Weiterentwicklung des Tierwohls jedoch zu kurz. Eine Tierwohlstrategie muss sämtliche relevanten Nutztiere einbeziehen und konkrete Verbesserungen auch dort aufzeigen, wo der Handlungsbedarf besonders gross ist.

Tierwohlprogramme dürfen nicht geschwächt werden

Der STS begrüsst das Ziel, den administrativen Aufwand für die Landwirtschaft zu reduzieren. Kritisch beurteilt er jedoch die stärkere Ausrichtung auf Kennzahlen und Indikatoren. Tierwohl lässt sich nicht allein anhand von Zahlen messen. Entscheidend sind die täglichen Haltungsbedingungen, die Betreuung der Tiere sowie der Umgang mit kranken oder verletzten Tieren. Bewährte Tierwohlprogramme und glaubwürdige Kontrollen vor Ort dürfen deshalb nicht geschwächt, sondern müssen gestärkt und weiterentwickelt werden. Neue Indikatoren können bestehende Programme sinnvoll ergänzen. Sie dürfen diese jedoch nicht ersetzen und keine Fehlanreize schaffen, die Leistung stärker gewichten als Tiergesundheit, Robustheit und Langlebigkeit.

Die Verantwortung endet nicht auf dem Hof

Positiv bewertet der STS, dass die AP30+ die Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit nicht allein bei den Landwirtschaftsbetrieben sieht, sondern die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen will. Eine zentrale Stellschraube bilden dabei die vorgesehenen Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel. Sie bieten die Chance, Tierwohl, nachhaltige Sortimente und verlässliche Absatzmöglichkeiten gemeinsam mit den Marktakteuren weiterzuentwickeln. Der STS fordert deshalb, Tierwohl zu einem zentralen Gegenstand dieser Zielvereinbarungen zu machen. Fortschritte müssen transparent überprüft werden. Bleiben sie aus, braucht es die Möglichkeit, mit weiteren Massnahmen nachzusteuern.

«Tierfreundliche Produktionssysteme können sich langfristig nur dann durchsetzen, wenn auch Verarbeitung, Handel und Konsum ihren Beitrag leisten. Aus Sicht des STS muss diese Mitverantwortung nun konkret werden», sagt Ryf. Tierfreundlich erzeugte Produkte brauchen verlässliche Absatzmöglichkeiten und eine angemessene Wertschöpfung. Andernfalls bleibt die Verantwortung für mehr Tierwohl weiterhin weitgehend bei den Landwirtschaftsbetrieben.

AP30+ muss nachgebessert werden

Aus Sicht des STS genügt die heutige Stossrichtung der AP30+ nicht. Die Vorlage muss substanziell nachgebessert werden, damit Tierwohl, Tiergesundheit und robuste Nutztiere in den Instrumenten der AP30+ konsequent berücksichtigt werden. Die gesellschaftliche Legitimation der Agrarpolitik hängt wesentlich davon ab, dass öffentliche Mittel nachweislich zu besseren Lebensbedingungen für die Tiere führen. Tierwohl gehört seit Jahren zu den wichtigsten agrarpolitischen Anliegen der Bevölkerung. Umso wichtiger wäre es, dass die AP30+ konkrete Verbesserungsziele für die Nutztierhaltung aufzeigt. In ihrer heutigen Form gelingt ihr das aus Sicht des STS nicht ausreichend. In einzelnen Bereichen besteht sogar die Gefahr eines Rückschritts.

Die Vernehmlassung im Überblick

Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur AP30+ am 2. September 2026 eröffnet. Sie dauert bis zum 8. Dezember 2026. Für die Jahre 2030 bis 2033 sieht der Bundesrat einen landwirtschaftlichen Zahlungsrahmen von 13,8 Milliarden Franken vor.

Manuel Iseli
Schweizer Tierschutz STS

Manuel Iseli

Medienverantwortlicher

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media@tierschutz.com

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